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Stuttgart / Hannover (ots) Schon heute zählen Hersteller und Zulieferer in der Türkei mit einem für 2019 geplanten Exportvolumen von über 5 Mrd. Dollar zu den wichtigsten ausländischen Partnern der deutschen Automobilindustrie. Zwei Round-Table-Gesprächsveranstaltungen in Deutschland zeigten: Deutsche Unternehmen schätzen die Zuverlässigkeit und Innovationsstärke ihrer türkischen Partner und wollen die Zusammenarbeit im Automobilsektor weiter ausbauen.

Mit den Perspektiven der deutsch-türkischen Zusammenarbeit im Automobilsektor befassten sich zwei Round-Table-Gesprächsveranstaltungen, die die deutsche Auslandshandelskammer AHK gemeinsam mit den türkischen Automobilherstellerverbänden TAYSAD* sowie OIB** am 3. und 4. April im Rahmen der Hannover Messe sowie in Stuttgart veranstaltet hat.

Neben den Repräsentanten des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) nutzten auch Vertreter deutscher Automobilhersteller und Zulieferer sowie Pressevertreter die Gelegenheit, sich über die Potenziale der deutsch-türkischen Kooperation zu informieren. Wer noch keine Geschäftsbeziehungen mit türkischen Unternehmen pflegte, konnte sich aus erster Hand von Branchenvertretern über ihre Erfahrungen berichten lassen.

Hohe Motivation, niedrige Kosten

So lobte ein Manager der Schaeffler Gruppe, der für einen großen deutschen Zulieferer das Geschäft in Mittel- und Osteuropa sowie im Nahen Osten verantwortet, die gute Zusammenarbeit mit türkischen Partnerunternehmen: „Wir sind äußerst zufrieden mit dem wirtschaftsfreundlichen Umfeld in der Türkei und schätzen die Innovationspotentiale, Zuverlässigkeit, hohe Motivation der Mitarbeiter und die niedrigen Produktionskosten des Landes.“ Überdies sorge die geographische Lage in Verbindung mit der Mitgliedschaft der Türkei zur europäischen Zollunion dafür, dass das Land einen Dreh- und Angelpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika darstelle.

Insgesamt zeigte sich in den Gesprächen derselbe Trend, den schon eine kürzlich erfolgte Umfrage des türkischen Branchenverbands TAYSAD unter Managern von deutschen Auto- und Zulieferunternehmen offenbarte: Wer noch nicht in der Türkei aktiv ist, bewertet die Qualitäten türkischer Unternehmen skeptischer als diejenigen, die bereits Praxiserfahrungen sammeln konnten. So hielten von den Unternehmen ohne Türkei-Kenntnisse nur 43 Prozent die türkischen Zulieferer für zuverlässig, während von den tatsächlich bestehenden Kunden knapp 80 Prozent die Verlässlichkeit ihrer türkischen Partner positiv hervorhoben.

Automobilsektor als Innovations- und Wachstumsmotor

In den vergangenen Jahren hat sich der Export von Autos und Zulieferteilen für die Türkei zu einem wichtigen Wachstumsmotor entwickelt. Allein im Jahr 2017 lieferten türkische Betriebe mehr als eine Million Kraftfahrzeuge in die EU, ein großer Teil davon wurde nach Deutschland exportiert. „Die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen haben im Automobilsektor eine lange Tradition, und wir wollen die erfolgreiche Zusammenarbeit weiter vertiefen“, betont Baran Celik, Präsident des türkischen Automobil-Exportverbands OIB. Für die türkische Automobilindustrie sei Deutschland der größte Absatzmarkt, so Celik weiter: „15 Prozent der Exporte gehen nach Deutschland, wobei die Hälfte auf die Zulieferindustrie entfällt.“ In diesem Jahr sollen Autos und Zulieferteile im Wert von 5 Mrd. Euro nach Deutschland ausgeführt werden.

Mehr als 250.000 Arbeitnehmer sind in der türkischen Auto- und Zulieferindustrie beschäftigt. Die Branche beschäftigt nicht nur gut ausgebildete Facharbeiter, sondern auch einen hohen Anteil an Ingenieuren und Akademikern – knapp ein Fünftel der Beschäftigten verfügt über einen Bachelorabschluss oder eine noch höhere Qualifikation. Ein großer Teil der hochqualifizierten Fachleute arbeitet in den Bereichen Design und Produktentwicklung. Entsprechend groß ist das Wachstum im Bereich Forschung und Entwicklung: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der automobilen Entwicklungszentren rasant zugenommen und liegt aktuell bei 157 Standorten.

„Dieses Treffen war wichtig, um deutschen und türkischen Unternehmen eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und das noch bessere gegenseitige Kennenlernen zu bieten“, sagt TAYSAD-Präsident Alper Kanca. Ziel sei es, auf Basis der schon bestehenden erfolgreichen Kooperation im Automobilsektor die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder nachhaltig zu vertiefen und auszubauen.

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