Frauenhaus Bersenbrück erweitert um drei Familienzimmer

Geschützter Raum: Im Frauenhaus in Bersenbrück werden zunächst drei weitere Familienzimmer wie dieses eingerichtet, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Foto: Landkreis Osnabrück

Ab Herbst landesweites digitales Verzeichnis freier Plätze

Bersenbrück. Mehr Plätze im Frauenhaus: Ab Oktober wird das Bersenbrücker Frauen- und Kinderschutzhaus zunächst um drei Familienzimmer erweitert. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Bersenbrück hatte in Kooperation mit dem Landkreis Osnabrück schon im August vergangenen Jahres einen Antrag auf Erweiterung und finanzielle Förderung beim niedersächsischen Sozialministerium gestellt. Im Januar dieses Jahres kam die Genehmigung aus Hannover. Nun wird es neben den bisherigen fünf Familienzimmern weitere drei Räume für Familien geben.

Da der Bedarf auch wegen erhöhter Fallzahlen von häuslicher Gewalt weiter steigen wird, plant das Frauen- und Kinderschutzhaus in Zukunft eine Erweiterung von zusätzlich bis zu acht Plätzen. Sowohl das Land Niedersachsen als auch der Landkreis Osnabrück unterstützen diese Pläne, um den betroffenen Frauen im Landkreis Osnabrück Schutz und neue Perspektiven zu bieten. Mit einer Auslastungsquote von rund 70 Prozent liegt das Bersenbrücker Schutzhaus im landesweiten niedersächsischen Durchschnitt.

Zum Hintergrund: Die Bedarfslage stellt sich für den Landkreis etwas anders da als in der Stadt Osnabrück. In den vergangenen Jahren fanden in den fünf Familienzimmern jährlich zwischen 40 und 49 Frauen Schutz. Die Anfragen kommen dabei von Frauen aus der gesamten Osnabrücker Region und auch von Frauen, die aus weiter entfernten Regionen Schutz suchen. Sie haben Gründe dafür, nicht in einem Frauenhaus in der Nähe ihres Wohnortes Schutz zu suchen, sondern entweder möglichst weit weg vom Täter oder aber in einer Region, in der sie vorher schon gewohnt haben und in die noch Verbindungen bestehen. Auch suchen manche Frauen an einem Ort Schutz, wo sie hoffen, sich erfolgreich eine neue Existenz aufbauen zu können.

Im vergangenen Jahr waren 40 Frauen mit 37 Kindern im Bersenbrücker Frauen-und Kinderschutzhaus untergebracht. Davon kamen 21 Frauen und 17 Kinder aus dem Landkreis Osnabrück, zwölf Frauen und acht Kinder aus der Stadt Osnabrück, sechs Frauen aus anderen Regionen in Niedersachsen und eine Frau aus einem anderen Bundesland. Umgerechnet bedeutet das, dass jedes der fünf Familienzimmer acht Mal im Jahr neu belegt worden ist.

Für die Frauen ist der Aufenthalt im Frauen- und Kinderschutzhaus immer eine zeitlich begrenzte Überbrückung zur Stabilisierung und Klärung über einen Zeitraum von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug in den vergangenen Jahren im Bersenbrücker Schutzhaus 26 bis 32 Tage. Nur in Einzelfällen bei komplexen Problemlagen wie Migrationshintergrund, fehlenden deutschen Sprachkenntnissen oder mehreren Kinder sind Frauen auch länger geblieben.

Im vergangenen Jahr ist aber keine Frau länger als sechs Monate geblieben, im Jahr 2017 war das bei nur einer Frau der Fall. Eine Frau ist im vergangenen Jahr bis zu fünf Monate geblieben, im Jahr 2017 waren es noch zwei Frauen. Momentan finden Frauen mit ihren Kindern in der Region in der Regel zeitnah neuen Wohnraum, was oft in guter Kooperation mit den Städten, Gemeinden und Samtgemeinden im Landkreis Osnabrück passiert. Doch auch auf dem Land wird der Wohnungsmarkt zusehends enger.

Seit einigen Jahren werden Abweisungen wegen einer Vollbelegung in Bersenbrück genau aufgezeichnet. So mussten im Jahr 2016 56 Frauen, im Jahr 2017 45 Frauen und im vergangenen Jahr 72 Frauen abgewiesen werden. Im vergangenen Jahr kamen 20 dieser Anfragen von Frauen aus dem Landkreis Osnabrück, 18 Anfragen aus der Stadt Osnabrück, 18 Anfragen aus Niedersachsen und 16 Anfragen aus anderen Bundesländern. Einige Frauen konnten bei der Weitervermittlung in umliegende Frauenhäuser unterstützt werden. Einige Frauen, denen ein Platz zugesagt worden ist, sind dann nicht erschienen.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich abgezeichnet, dass die Nachfrage nach Frauenschutzplätzen steigt. Mit Augenmaß haben das Land Niedersachsen, der Landkreis Osnabrück und das Frauen- und Kinderschutzhaus des SkF Bersenbrück deswegen die jetzt realisierte Erweiterung um drei Familienzimmer geplant. Außerdem wird ab Herbst dieses Jahres die Suche nach einem freien Frauenhausplatz landesweit digitalisiert unterstützt. Alle 42 niedersächsischen Frauen- und Kinderschutzhäuser werden ihre freien Plätze dann täglich an das Sozialministerium melden. Auf einer digitalen Landkarte wird ersichtlich sein, in welchen Frauen- und Kinderschutzhäusern aktuell Plätze frei sind. Ähnliche Systeme sind in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern schon im Einsatz.

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