Gugenheim Bilbao

MEISTERWERKE DER KUNSTHALLE BREMEN: VON DELACROIX BIS BECKMANN • 25. Oktober 2019 - 16. Februar 2020 • Kuratoren: Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, und Petra Joos, Guggenheim Museum Bilbao • Von der Kunsthalle Bremen und dem Guggenheim Museum Bilbao organisierte Ausstellung • Mit der Unterstützung von Iberdrola PR-Foto

Meisterwerke der
KUNSTHALLE
BREMEN
VON DELACROIX BIS BECKMANN


MEISTERWERKE DER KUNSTHALLE BREMEN: VON DELACROIX BIS BECKMANN
• 25. Oktober 2019 – 16. Februar 2020
• Kuratoren: Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, und Petra Joos, Guggenheim Museum Bilbao
• Von der Kunsthalle Bremen und dem Guggenheim Museum Bilbao organisierte Ausstellung
• Mit der Unterstützung von Iberdrola
PR-Foto

Es freut mich, Ihnen den den Katalog der Ausstellung präsentieren zu dürfen, die das Guggenheim Museum Bilbao mit Beständen der Kunsthalle Bremen gestaltet, eines der berühmtesten Museen Deutschlands, das für seine wegweisende Sammlung moderner Kunst weltweit Anerkennung findet. Ihre faszinierenden Bestände gehen auf eine 1823 von kunstinteressierten Bürgern ins Leben gerufene Institution zurück, den Kunstverein in Bremen.

Diese großartige Ausstellung bietet dem Besucher einen Überblick über die Entwicklung der europäischen Kunst im 19. und 20. Jahrhundert und einen Rundgang durch die Stilrichtungen zweier
bedeutender Zentren der Kreativität: Deutschland, vertreten durch große Maler wie Caspar David Friedrich, Modersohn-Becker, Dix, Kirchner, Beckmann oder Nolde, und Frankreich mit Künstlern vom Rang eines Cézanne, Van Gogh, Monet, Delacroix oder Picasso.

Die ausgestellten Werke zeugen von der Leidenschaft für die Malkunst der deutschen Sammler und ihrem Weitblick beim Ankauf zeitgenössischer Bilder, die im Laufe der Zeit als Meisterwerke
anerkannt worden sind. Ich möchte den Organisatoren der Ausstellung zu der hervorragenden Arbeit gratulieren, die sie bei der Verwirklichung dieses Projekts geleistet haben, um dem Publikum
eine neue Perspektive der Welt der Malerei zu bieten.

An den Vorhaben einer international renommierten kulturellen Institution wie das Guggenheim Museum Bilbao mitzuwirken, mit dem wir seit seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren
zusammenarbeiten, ist für Iberdrola von großer Bedeutung. Unsere Kooperation beruht auf der Überzeugung, dass die Förderung der Kunst ein wesentlicher Bestandteil unseres gesellschaftlichen
Engagements ist. Mit ihr möchten wir zum Schutz des künstlerischen und kulturellen Welterbes beitragen, eines der von den Vereinigten Nationen gesetzten Ziele für nachhaltige Entwicklung.
Ignacio S. Galán
Vorsitzender von Iberdrola
Meisterwerke der Kunsthalle Bremen:
von Delacroix bis Beckmann
 25. Oktober 2019 – 16. Februar 2020
 Kuratoren: Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, und Petra Joos,
Guggenheim Museum Bilbao
 Von der Kunsthalle Bremen und dem Guggenheim Museum Bilbao organisierte

Ausstellung
 Mit der Unterstützung von Iberdrola
– Die Ausstellung illustriert die engen Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Kunst des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zwei parallele Kunstströmungen, die den Charakter der modernen Kunst verändernd beeinflussten. – Dieser Rundgang, der vom Klassizismus über die Romantik, den Impressionismus und Postimpressionismus zur Künstlerkolonie Worpswede und dem deutschen Expressionismus führt, bietet Einblick in die Meisterwerke und den Diskurs der Kunsthalle Bremen.

– Gustav Pauli, der erste wissenschaftlicher Direktor der Kunsthalle, schärfte das Profil der Sammlung mit Ankäufen, die auf dem dynamischen Dialog zwischen deutscher und französischer
Kunst begründet waren. So entstand eine Geschichte von Meistern und Jüngern, von Wettbewerb und Solidarität, von Bewunderung und Rebellion und letztendlich die Identität des Museums.
– Der Ankauf von van Goghs Mohnfeld (1889) teilte Künstler und Kritiker in zwei entgegengesetzte Lager: Während die einen den Vorwurf machten, dass mit der Huldigung der französischen
Avantgarde die nationale künstlerische Identität angegriffen werde, vertraten die anderen die Meinung, dass die Frage der Nationalitäten nebensächlich sei, weil die Kunst keine Grenzen
kenne.

Das Guggenheim Museum Bilbao präsentiert mit Meisterwerke der Kunsthalle Bremen: von Delacroix bis Beckmann eine großartige Auswahl von Werken aus dem umfangreichen Museumsbestand der Kunsthalle, mit der die engen Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Kunst des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdeutlicht werden. Abgesehen von dem bildhaften Dialog zwischen zwei parallelen Kunstströmungen, die den Charakter der modernen Kunst umwandelten, veranschaulicht die
Ausstellung auf einem Rundgang vom Klassizismus über die Romantik, den Impressionismus und Postimpressionismus zur Künstlerkolonie Worpswede und dem deutschen Expressionismus die einzigartige

Geschichte und den künstlerischen Diskurs dieses Museums.
Die Kunsthalle Bremen wurde 1849 eröffnet. Ihr Entstehen ist dem Kunstverein in Bremen zu verdanken, der 1823 von Kunstliebhabern und Experten mit dem Ziel, den „Sinn für das Schöne zu verbreiten und auszubilden“, gegründet wurde. Anfänglich bestand er aus einer kleinen Gruppe kunstinteressierter Bürger, die zusammentrafen, um über ihre Sammlungen von Kupferstichen und Zeichnungen zu sprechen. Als der Verein begann, öffentliche Ausstellungen zu organisieren und seine eigene Sammlung schuf, nahm die Anzahl der Mitglieder rasch zu, und diese Entwicklung führte schließlich zur Gründung eines eigenen Museums.

Fünfzig Jahre später, im Jahr 1899, ernannte der Verein den Kunsthistoriker Gustav Pauli zu seinem ersten wissenschaftlichen Direktor, der ausgehend von einem sachkundigen Ansatz das Profil dieser Sammlung verfeinerte und verstärkte, die Dank privater Schenkungen der Vereinsmitglieder und unter der Leitung von Laien entstanden war. Pauli begründete seine Ankaufspolitik auf dem dynamischen Dialog zwischen deutscher und französischer Kunst. Die Geschichte der Kunsthalle Bremen geht Hand in Hand mit der Entwicklung einer Stadt, die Beziehungen in aller Welt hat, über Jahrhunderte durch Gewerbe und Handel, Schiffsbau und Seeschifffahrt gewachsen ist und somit viele Parallelen mit Bilbao aufweist.

AUSSTELLUNGSRUNDGANG
Saal 305: Vom Klassizismus zur Romantik
Dieser Bereich illustriert die Entwicklung der deutschen und französischen bildenden Kunst vom späten Neoklassizismus bis zur Romantik sowie die von deutschen und französischen Künstlern vertretenen Grundgedanken. Hier werden die für die französische Romantik charakteristische Auseinandersetzung mit literarischen Themen und Erforschung überschwenglicher Gefühle ersichtlich, sowie die dazu im Gegensatz stehende besinnliche Betrachtung der Natur, die Faszination für das Übersinnliche und die Begeisterung für das Schönheitsideal der mediterranen Antike der deutschen Romantiker.

Klassizismus
Die Stadt Rom übt seit jeher eine große Anziehungskraft auf Künstler und Intellektuelle aus. Seit dem 17. Jahrhundert reisen Maler, Bildhauer und Architekten aus zahlreichen nordeuropäischen Ländern in die Ewige Stadt. 1809 schließen sich einige deutsche Maler zusammen und gründen den Lukasbund. Ein Jahr später gehen sie nach Rom, um dort gemeinsam zu arbeiteten. Statt dem Schönheitsideal des antiken Rom nachzueifern widmen sie sich biblischen Themen, wobei ihnen Raffael als Vorbild dient. Sie wollen die stilistischen Ideale der Klassik wiederbeleben und mit ihren Werken das breite Volk ansprechen. Sie leben wie eine Bruderschaft im Kloster Sant’Isidoro. Aufgrund ihrer Kleidung und langen Haare, die an Christus erinnern,
werden sie „Nazarener“ genannt. Die Schönheit der italienischen Frauen fasziniert die aus nördlichen Ländern stammenden Künstler. Die Nazarener malen vor allem Figuren, die das raffaelitische Ideal verkörpern. Das berühmteste Beispiel ist das von Theodor Rehbenitz 1821 geschaffene Bildnis der Vittoria Caldoni. Klar definierte Formen, zarte Linien und eine minutiöse Studie der Oberflächen definieren das Gemälde Junges Mädchen (Melancholie) , das Theodore Chasseriau um 1833/35 nach den Grundsätzen des Klassizismus malte. In diesem Werk stellt der Künstler nicht so sehr eine konkrete Person dar, sondern ein Mädchen, das eines der charakteristischen Themen der Epoche verkörpert: die „süße Melancholie“ der französischen Tradition.

Romantik
In den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts suchen viele französische Künstler Inspiration in der Natur. Ab 1820 beginnen sie, Barbizon zu besuchen und dort inmitten der Landschaft zu malen. Das am Wald von Fontainebleau gelegene Dorf wird mit der Entwicklung der Pleinairmalerei in Verbindung gebracht und gibt der „Schule von Barbizon“ ihren Namen. In den 60er Jahren dieses Jahrhunderts findet sich eine neue Generation von Malern in dem Dorf ein, unter ihnen die jungen Impressionisten Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet und Camille Pissarro. Sie entwickeln ihre eigene Stilrichtung, die von derFreilichtmalerei der ersten Generation inspiriert ist.
Die Romantik verbreitet sich als eine künstlerische Bewegung, die gegen den Rationalismus der Aufklärungaufbegehrt und deren wesentliches Motiv die dunkle Seite der menschlichen Psyche ist, in ganz Europa. Anders als in früheren Stilrichtungen gewinnt in der romantischen Malerei die Farbgebung eine eigene Bedeutung und sie unterscheidet zwischen valeur (Licht und Schatten) und teinte (Farbe). Allerdings nimmt sie in Deutschland und Frankreich unterschiedliche Formen an. Eugène Delacroix, Schlüsselfigur der Romantik in Frankreich, ist in der Sammlung der Kunsthalle Bremen mit zahlreichen Werken vertreten. Um 1800 entwickeln seine deutschen Kollegen, zu denen Carl Gustav Carus, Johan Christian Clausen Dahl, Caspar David Friedrich und Friedrich Nerly zählen, eine faszinierende Wechselbeziehung zwischen Landschaftsmalerei und Wissenschaft. Sowohl die Schriften Goethes über Geologie als auch die Briefe über Landschaftsmalerei des Dresdner Gelehrten Carus belegen, dass Wissenschaft, Kunst und Ästhetik eng verbunden sind. Im Gegensatz zu Friedrich, der Italien nie besucht, reist Carus drei Mal in dieses Land und ist von seinen pittoresken Küstenlandschaften bezaubert. Ein Beispiel der dort entstandenen Werke ist das um 1820/25 geschaffene Gemälde Abend am Meer , das wahrscheinlich von der felsigen Küste am Golf von Neapel oder von der Insel Capri inspiriert ist. Den Künstler, der sehr an Geologie interessiert ist, faszinieren die riesigen Felsformationen, die für ihn ein Studienobjekt und einen Spiegel der Urgeschichte darstellen. Dem Symbolismus der Romantik getreu offenbart Abend am Meer das Bestreben Carus‘, das Irdische ebenso
wie das Überirdische zu verbildlichen. Mehr als nur ein Abbild der Natur soll das Gemälde die Gefühle und Empfindungen seines Schöpfers zum Ausdruck bringen.
Das subjektive Erleben ist eine Grundidee der deutschen Romantik, die unerlässliche Voraussetzung für die Erschaffung eines wirklich bedeutenden Kunstwerks. Der Betrachter kann ein Werk erst dann verstehen, wenn er sich in es hineinversetzt und es im tiefsten Inneren seines Wesens fühlt. Friedrichs um 1825/30 geschaffenes Gemälde Das Friedhofstor entstand ausnahmsweise nicht in im Atelier des Künstlers, sondern gibt die tatsächliche Beschaffenheit des Tors dieses Friedhofs wieder. Seine Besonderheit beruht in seiner Auslegung. Der Künstler teilt das Bild in zwei entgegengestellte Bereiche, den in Schatten gehüllten Vordergrund und den im Sonnenlicht liegenden Friedhof jenseits des Tors, eine Metapher für das dunkle,
irdische Leben und die Hoffnung auf das ewige Leben im Jenseits.

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