Wildbienen und Insektensterben:

Wildblumenwiese mit u.a. Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi L.), die als Nahrungspflanze für Insektenarten dient. Foto: Naturschutzstiftung FRI-WTM-WHV.

Gute Schutzstrategien brauchen Wissen und Förderung

Naturschutzstiftung fördert Wildblumenwiesen

Allein die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den letzten 27 Jahren hat sich die Zahl der Insekten um 75 Prozent verringert. Es ist notwendig, Prioritäten zu setzen, um diesem dramatischen Insektensterben zu begegnen. Wildblumenwiesen sehen nicht nur gut aus, sie sind auch notwendige Lebensgrundlagen für viele Insekten und Wildbienen. Die Naturschutzstiftung FRI-WTM-WHV fördert deshalb die Anlage von artenreichen Wildblumenwiesen sowie die Anreicherung von extensiven Grünlandstandorten in der Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven. Interessierte können einen Förderantrag stellen und von der Naturschutzstiftung zertifiziertes Regio-Saatgut bekommen. Zertifiziertes Regio-Saatgut besteht aus Samen heimischer Pflanzenarten aus der Region (hier: Nordwestdeutsches Tiefland). Der Vorteil von Regio-Saatgut ist: Die Pflanzenarten sind heimische Arten und sind somit an die Bedingungen in der Region angepasst. Von und an ihnen leben viele heimische Insektenarten, die wiederrum Nahrung für andere Tierarten darstellen.

Warum es so notwendig ist, regionales Saatgut zu verwenden, erklärte der Biologe, Entomologe und Buchautor Rolf Witt kürzlich in seinen stark besuchten Vorträgen in Wilhelmshaven, Wittmund und Varel, zu dem die Naturschutzstiftung, die Landkreise Friesland und Wittmund, die Stadt Wilhelmshaven und der NABU Wilhelmshaven gemeinsam eingeladen hatten. „Viele der Wildbienenarten in Niedersachsen haben sich auf bestimmte Blumen und Pflanzen spezialisiert. Werden die falschen Blumen angepflanzt, mag das nett aussehen – für die Wildbienen bringt dies dann allerdings nichts. Grundsätzlich gilt: Fünfjährige Blühstreifen sind einjährigen immer vorzuziehen und regionale Samenmischungen ebenfalls.“

Es geht allerdings nicht nur um ausreichende Nahrungsquellen, sondern auch um Lebensräume für Nistplätze. Immerhin nisten 70 Prozent der Wildbienen im Boden. Sie brauchen offene Bodenverhältnisse. Ideal sind brachliegende Grundstücke – sie sind, laut Witt, nämlich kein Ödland, sondern Paradiese für Wildbienen. Es kann aber auch auf Freizeitflächen oder an Ackerrändern Erde umgebrochen beziehungsweise frei gelegt werden. Das wissen Wildbienen sehr zu schätzen.

Altes Mauerwerk oder auch begrünte Dächer könnten Refugien für Insekten und Wildbienen sein. Aber das „Gewusst wie“ spielt auch hier eine Rolle. Es muss schon eine dickere Erdschicht sein, sogar Bottiche sind eine gute Möglichkeit Wildbienen anzulocken. Gekauften sogenannten „Insektenhotels“ erteilt Witt eine Absage. Da sind die Löcher viel zu groß – keine Wildbiene würde sich dort einfinden. Die Löcher sollten nicht größer als 2mm sein. Es lohnt sich alte Hölzer – gerne auch schon morsch – zu lagern, dann bohren sich die Wildbienen ihre eigenen Löcher.

Einen Antrag auf Saatgutförderung durch die Naturschutzstiftung können alle stellen, die eine Fläche zur Verfügung haben, auf der sie langfristig eine Wildblumenwiese anlegen oder extensives, artenarmes Grünland anreichern oder anlegen möchten (fünf Jahre Pflege müssen mindestens gewährleistet sein). Gefördert wird das Saatgut. Die Vorbereitung, Pflege, Sonstiges sind als Eigenanteil zu leisten. Es steht eine begrenze Menge Saatgut zur Verfügung. Daher lohnt es sich, zeitnah einen Antrag zu stellen. Weitere Kriterien sowie das Antragsformular können bei der Naturschutzstiftung angefordert werden unter info@naturschutzstiftung-fww.de.
09.03.2020
2
Wildblumenwiese mit u.a. Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi L.), die als Nahrungspflanze für Insektenarten dient. Foto: Naturschutzstiftung FRI-WTM-WHV.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen